Besuch in der Champagne

Vor kurzem bot sich mir die Möglichkeit an einem Ausflug in die Champagne, in die Region Montagnes de Reims teilzunehmen. Gehört und getrunken hatte man ja schon einiges, aber direkt dort war ich bis dato noch nie.

 

Neben überaus tollen Verkostungen, Kellerführungen, der französischen Gastfreundschaft und dem Charme der Stadt Reims hat mich eines besonders beeindruckt: die Kreidekeller.

 

Die Stadt Reims mit ca. 250 000 Einwohnern hat so einige unentdeckte Seiten. Diese befinden sich bis zu 30 m unter der Erdoberfläche, teilweise direkt in der Stadt.

Die Eingänge zu diesen „Schatzkammern“ sind direkt in den Gärten der Weingüter gelegen, welche recht unscheinbar wirken und nicht auf so eine Besonderheit hindeuten.

 

Öffnet man so eine Tür, erwartet einen eine überaus steile und lange Betontreppe, nicht immer im besten Zustand und teilweise ziemlich rutschig.

Steigt man diese Treppen nach unten, kommt man aus dem Staunen nicht mehr raus, nicht zu erwarten welche Schätze dort lagern.

 

Bei diesen Kellern kann man teilweise von unterirdischen Tunnelsystemen sprechen, da unter den besichtigten bis zu 28 km lange zu finden sind. Der ursprüngliche Gedanke des Tunnelbaus war aber nicht der, um Champagner zu lagern.

Zu Römerszeiten wurde bereits die Besonderheit der Böden in der Champagne erkannt. Die Römer veranlassten diese Grabungen um die Kreide- und Kalkböden für damalige Bauten, vor allem zum Straßenbau verwenden zu können. So entstanden kilometerlange, unterirdische Tunnelsysteme.

 

Im Keller herrschen konstante 12 °C und eine extrem hohe Luftfeuchtigkeit von bis zu 90 %. Beim Anfassen der Wände konnte man die Besonderheit dieser Böden tatsächlich spüren. Kalk- und Kreideböden sind sehr wasserspeichernd und recht weich.

Die Römer erkannten jedoch, dass das Gestein auf Dauer zu weich für den Straßenbau ist, das Interesse an den erbauten Tunnelsystemen schwand somit.

 

Als die Champagnerproduktion begann, erkannte man das Potential dieser unterirdischen Tunnelsysteme und lagert dort seitjeher die Flaschen zur Reifung. Zu Kriegszeiten dienten diese Systeme vor allem auch als Schutz für Einheimische vor Angriffen, ebenso wurden produzierte Flaschen unterirdisch vor den Soldaten versteckt.

 

 

(Der Ausflug in die Champagne wurde mir durch die Fa. Morandell ermöglicht, besucht wurde Charles Heidsieck, Armand de Brignac, Moet & Chandon – Dom Perignon, Thienot)